Die Kuppel schwebt über dem Sternendom

Die Evangelische Kirche baut zum Hessentag ein großes Zelt auf, in dem es Konzerte, Gottesdienste und persönliche Sternstunden gibt

Aufbau, Quelle: Achim Ritz

Bensheim. Die schwere weiße Kuppel spannt sich wie ein großer Schutzschirm über die staubige Erde. Es scheint so, als liege eine schützende Hand über dem Boden, als hinge diese Glocke an einem seidenen Faden. Doch das Stahlseil des Autokrans ist faustdick. Am Ende hat der Haken die tonnenschwere Dachkonstruktion fest im Griff. Es geht um große Massen, die derzeit auf dieser besonderen Baustelle am Berliner Ring in Bensheim bewegt werden   und doch nur um Zentimeter. „Tiefer, tiefer, noch etwas, Stopp“, ruft einer der Männer mit freiem Oberkörper, die unter der Zeltkuppel in der Hitze dieses sommerlichen Spätfrühlingstages -zig Bolzen in Verbindungsstücke schieben müssen, damit am Ende aus vielen Teilen eine runde Sache wird. Bis zu Christi Himmelfahrt soll der Sternendom der Evangelischen Kirche stehen. Das Kuppelzelt dient vom 6. Juni an zehn Tage lang vielen Künstlern als große Bühne und vielen Menschen als kleine Plattform, um ihre persönliche Sternstunde zu erleben und diese vielleicht auch zu beschreiben. Im Aktionszelt der Evangelischen Kirche können die Gäste des Sternendoms ihre persönlichen Erlebnisse ausdrücken.

In der Startphase des Zelt-Aufbaus gibt es fundamentale Schwierigkeiten. Die Freifläche am Berliner Ring nahe dem Sportstadion gleicht einem unebenen Acker, der auf der Seite der Wohnhäuser einen halben Meter tiefer liegt als der Boden an der Straße. Die Fachleute vom Kuppelzelt müssen dicke Unterleghölzer herbeischaffen, hier und da improvisieren, bei der Gestaltung des Innenausbaus den alten Plan fallenlassen und einige Veränderungen in Kauf nehmen. Das kostet Zeit. Deshalb müssen die Arbeiter auch am Sonntag ran, damit am 6.6. um 20 Uhr Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, Prälatin Marita Natt von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sowie Dr. Wolfgang Gern, Vorstand der Diakonie Hessen, das Kulturprogramm der Evangelischen Kirche eröffnen können.

„Sonntagsarbeit um Himmels Willen, ausgerechnet die Kirche“, haben sich einige Bensheimer gedacht, die in der Nachbarschaft zum Sternendom wohnen und bei der Kirchenverwaltung in Darmstadt angerufen. Die Verantwortlichen in den Büros am Paulusplatz nehmen sich der Kritik an und bitten die Anwohner um Verständnis. Es habe wegen des Untergrunds unvorhersehbare Probleme gegeben, so dass man jetzt unter Zeitdruck, aber mit Genehmigung des Regierungspräsidiums auch sonntags zupacken müsse, damit der illuminierte Saal im Zelt mit rund 600 Plätzen rechtzeitig fertig werde. An Christi Himmelfahrt sei aber Ruhe, versichert die Kirchenleitung.

Laut und Rhythmisch wird es später unter der weißen Kuppel bei den Konzerten von Stefan Gwildis, FoolsGarden, Joy Fleming oder bei der Blues Night. Die Evangelische Kirche bietet beim Hessentag aber auch den Raum für leise Töne. Jeden Tag gibt es im Sternendom Mittagsgedanken, die die Menschen zum Nachdenken animieren. Manchmal ertönt Harfenmusik, manchmal lädt der Mann am Piano die Besucher ein, sich von den Klängen auf eine individuelle Reise mitnehmen zu lassen. Im Kulturprogramm, bei den Gebeten und Gottesdiensten geht es auch um die Frage, was der Himmel und die Sterne bedeuten und welche Orientierung wir von oben bekommen.

Fotos und Text: Achim Ritz

Kran, Quelle: Achim Ritz
Kuppel, Quelle: Achim Ritz
Kuppel innen, Quelle: Achim Ritz
Aufbau, Quelle: Achim Ritz