„Sternendom ‑ das klingt ganz zauberhaft“

Die Liedermacherin Anna Depenbusch spielt am Pfingstsamstag auf dem Hessentag bei der Evangelischen Kirche „Solo am Klavier“

Frau Depenbusch, Sie singen am Pfingstsamstag auf dem Hessentag in Bensheim im Sternendom der Evangelischen Kirche, im Juli dann im Burggarten Dreieich und bei „Sommer im Park“ in Vellmar im Landkreis Kassel. Das sind keine gewöhnlichen Konzerte, sondern drei besondere Bühnen. Haben Sie einen Bezug, eine Beziehung zu den Auftrittsorten?

Anna Depenbusch: Ja. Ich versuche, Orte zu finden, die Atmosphäre haben, wo ich dem Publikum nahe sein kann. Ich glaube, der Sternendom ist ein Ort, der Atmosphäre versprüht. Ich finde „Sternendom“, das klingt ganz zauberhaft. Ich bin schon gespannt.

Im zehntägigen Programm der Evangelischen Kirche geht es im Sternendom unter anderem um die Frage, welche Orientierung uns der Himmel gibt. Einer Ihrer Songs heißt „Engel“ und sie sagen, dass Engel keine Sorgen hätten und im Verborgenen blieben. Haben Sie in Ihrem Leben einmal die Kraft von Engeln gespürt?

Auf jeden Fall. Das Lied, das Sie genannt haben, handelt von einem Schutzengel. Ich glaube, das kann eine Situation sein, die sich zum Guten wendet. Ich habe das Gefühl, es gibt so eine Kraft, die man nicht genau in Worte fassen kann, die einen aber motiviert und aufbaut. Was das ist, wo das herkommt, das kann ich nicht genau sagen. Ich habe das Gefühl, es gibt Schutzengel.

Als Hamburgerin lieben Sie den Hafen. Er steht für das Kommen und Gehen. Sie haben einmal gesagt, der Hafen sei für Sie ein Stück Heimat. Sie lieben Veränderungen, Kontraste, Überraschungen, Bewegung und haben oft Fernweh und doch wollen sie gern an der Elbe bleiben. Wie wichtig sind für Sie in einem schnelllebigen Alltag Beständigkeit und Kontinuität?

Ich brauche Beständigkeit für meine Arbeit. So eine Idee für einen Song hat man schnell, manchmal mehrmals am Tag. Doch in Ruhe ans Klavier setzen, die Komposition fertig machen, arrangieren, aufnehmen – für all das brauche ich einen richtigen Rhythmus in meinem Tag. Außerdem Beständigkeit und Disziplin, aber die muss sich auch immer wieder abwechseln mit Lebendigkeit. Ich sage mir dann, ich mache jetzt mal etwas ganz Anderes. Ich versuche, eine Balance zu finden. Es muss beides sein, Spontaneität, Struktur, Beständigkeit und das wechselt sich ab.

Im Song „Ebbe und Flut“ sagen Sie, „doch ich such´ noch nach dem Sinn, wer ich war und was ich bin“. Wer oder was hilft Ihnen bei der Suche nach dem Sinn? Sind Sie schon ein Stück vorangekommen?

(Lacht herzlich los) Ich hoffe, dass diese Suche niemals zu Ende ist. Sie macht neugierig und sie hält wach. Mich beeinflussen die Menschen in meinem Umfeld, meine Familie, meine Freunde, das Team, mit dem ich arbeite und mit dem ich auf Tour bin. Die geben mir ein Feedback. Da fällt es mir manchmal leichter, mich selber zu sehen, wenn ich mir mein Umfeld anschaue.

Kommen wir noch einmal zu den Gezeiten zurück. Wenn Sie singen, „nach der Ebbe kommt die Flut“, heißt das, dass Sie eine große Optimistin sind?

Ja ungebrochen. Das liegt irgendwie in meiner Natur. Die Lieder sind ja oft melancholisch oder auch nachdenklich. Aber sie behalten immer einen hoffnungsvollen Optimismus. Ich weiß nicht, woran das liegt. Ich bin da unerschütterlich.

Ihre Zuversichtlichkeit kommt noch stärker zum Ausdruck, indem sie sagen, „Komm schwimm´ weiter, halt nicht an, irgendwo ist oben, Du musst weiter schwimmen, immer weiter schwimmen“. Das klingt nach Ehrgeiz oder Angst vor dem Ertrinken? Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ach, da lass´ ich mich überraschen. Es macht für mich keinen Sinn, jetzt darüber nachzudenken. Ich habe jetzt Einfluss auf mein Leben. Ich möchte ein schönes Leben führen und mich engagieren. Was danach kommt, das werde ich sehen.

Sie haben gesagt, dass Sie beim Kreieren der Songs manchmal magische Momente spüren, immer dann, wenn viel Gutes zusammenkommt, wenn Hunderttausend Dinge auf einmal passieren. Sie sind dann überrascht. Haben Sie eine Erklärung für solche unerklärlichen Augenblicke?

Nee, ich habe da keine Erklärung und ich weiß nie, wann diese Momente kommen. Wenn ich das wüsste, dann gäb es das als Rezept. Als Liedermacherin ist es meine Aufgabe, mich zu öffnen, um diese Momente nicht zu verpassen. Es gibt Tage, da habe ich keine Lust, etwas aufzuschreiben oder ich denke, mir fällt nichts ein. Dann merke ich aber, es ist meine Pflicht, zu gucken, was passiert. Manchmal kommt es ganz unvorhergesehen und dann bin ich froh.

Können Sie solche Augenblicke gut herstellen?

Ja, ich höre Musik, die mich berührt, ich sehe mir Fotos an, gehe spazieren, lese ein Buch. Das Tempo darf aber nie zu hoch sein. Im Internet gibt es keine Ruhe. Da ist es zu schnell, zu bunt, zu willkürlich.

Sie waren drei Monate in Island. Genießen Sie die Kontemplation?

Ja regelmäßig. Wenn ich auf Tour bin, habe ich mehrere Wochen keine Ruhe. Wenn diese Phase zu Ende ist, bin ich drei Tage für mich, rede mit keinem und sammele Energie.

Jetzt haben wir kaum über Ihre Musik gesprochen.

Ach ja, ich komme mit „Solo am Klavier“ nach Bensheim. Ich freue mich wirklich sehr auf den Sternendom. Das ist genau der richtige Rahmen für sehr persönliche Geschichten und den Kontakt mit dem Publikum.

Portrait im geringelten T-shirt
Anna Depenbusch Foto: Goldwerk Photography
Anna Depenbusch sitzt auf dem Flügel - Füße auf den Tasten
Solo am Klavier - Samstag, 7. Juni, 20 Uhr, Sternendom